Weshalb Feminismus intersektional sein muss

Der Begriff Intersektionalität taucht inzwischen auch in öffentlichen Texten immer öfter auf. Frieda beschäftigt er schon lange. Gerne greifen wir das Thema an dieser Stelle auf.
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Keine der verschiedenen gesellschaftlichen Strukturkategorien wie Geschlecht, Rassifizierung, Klasse, Nationalität, sexuelle Orientierung, Alter etc. steht für sich alleine. Diese Kategorien wirken sowohl für sich, als auch im Zusammenspiel an der Gestaltung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse mit. Sie müssen in ihren Verschränkungen und Wechselwirkungen betrachtet werden, wollen wir ihre Dynamik verstehen und Diskriminierungen und Ausschluss verhindern.

Intersektionalität geht auf das englische Wort intersection, also Strassenkreuzung, zurück. Die Schwarze US-amerikanische Juristin und Aktivistin Kimberlé Crenshaw benutzte diesen Begriff erstmals Ende der 1980er-Jahre, um mit dem Bild der Strassenkreuzung die Gleichzeitigkeit, das Zusammentreffen, Kreuzen und Überschneiden von Machtverhältnissen zu benennen. Und um damit die Verwobenheit sozialer Ungleichheiten sichtbar zu machen und diese Machtverhältnisse zu dekonstruieren.

Intersektionalität bezeichnet die Überschneidung verschiedener Kategorien, die Ungleichheiten verursachen. Der Begriff Intersektionalität ist in einem wissenschaftlichen Kontext relativ jung. Das Wissen und Verständnis von Intersektionalität sind sehr alt. Im Prinzip gibt es Intersektionalität seit es die Schwarze Frauenbewegung gibt. Es ist zentral, Intersektionalität in diesem Kontext und aus dieser Perspektive heraus zu verstehen. Im deutschsprachigen Raum wurde sie aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgerissen und fehlinterpretiert. (vgl. Natasha A. Kelly: «Intersektionalität ist die Grundidee des Schwarzen Feminismus» (Interview auf editionf).  

Die Frauenrechtlerin, Abolitionistin (Sklavereigegnerin) und ehemals versklavte Schwarze Frau Sojourner Truth wies bereits 1851 auf die Überschneidung von race und Geschlecht hin und wie sich diese mehrfache Diskriminierung auf sie auswirkte. An einem Frauenkongress in Ohio hielt sie ihre berühmte Rede «Ain’t I a Woman?» (Bin ich keine Frau?). Darin sagt sie, dass sie nicht als Frau anerkannt und ernstgenommen werde, weil sie Schwarz ist. Und prangert so gleichzeitig Rassismus und Sexismus an.

Das Konzept der Intersektionalität ermöglicht es, die verschiedenen und komplexen Positionen in Machtverhältnissen sichtbar zu machen. Es ermöglicht zu sehen, wie diese miteinander verwobenen Machtstrukturen wirken und wie jede* und jede*r sich in ihnen verorten kann. Dies bedeutet für weisse Menschen, eine selbstkritische Perspektive einzunehmen sowie die eigenen weissen Privilegien, und wie diese genutzt werden können, zu reflektieren.

Was bedeutet Intersektionalität für Frieda?

Die intersektionale Perspektive ist im Frieda-Leitbild verankert, etwa durch den positiven Friedensbegriff, der «alle Formen von Gewalt, Ausschluss und Diskriminierung umfasst». Denn Frieden bedeutet «Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle Menschen unabhängig ihres (biologischen und sozialen) Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft, ihres sozialen Status, ihrer politischen oder religiösen Überzeugungen.»

Für Frieda ist es ein grundlegendes Anliegen und Ziel, die Verschränkung verschiedener Strukturkategorien im Blick zu haben und in die Arbeit einzubeziehen. Es bedeutet auch, unsere Arbeit selbstkritisch zu reflektieren, verschiedene Perspektiven anzuerkennen und wertzuschätzen und beispielsweise den Stimmen von Schwarzen, muslimischen und migrantischen Frauen einen Raum zu geben. Wir anerkennen das Wissen und die Erfahrung von unseren Kolleginnen und Partnerorganisationen und profitieren immer wieder davon.

Was das für die Praxis bedeutet

Das beschreibt Theodora Leite Stampfli so: «Ich erlebe in der Praxis die Akkumulation von sozialen Identitäten und verwandten Systemen der Unterdrückung, Herrschaft und Diskriminierung. Und das kommt von der Untervertretung von Minderheiten in Räumen der Macht. Wegen des anhaltenden Widerstands der Herrschaftsstrukturen bleiben die Diskriminierungen bestehen.

Damit wir mit Frieda über Politiken nachdenken können, müssen wir einen intersektionalen Blick haben, denn ich muss gefährdete und verletzliche Gruppen erreichen. Und wenn ich das nicht tue, bleiben diese Personen unsichtbar, ihre Probleme werden nicht einmal benannt. Und wenn wir das Problem nicht benennen, finden wir auch keine Lösung. Im Workshop haben wir darüber nachgedacht, wie wir (zusammen) Mittel schaffen können, um unsere Politik so auszurichten, dass jede Vielfalt willkommen ist. Vielfalt aller Art steht im Mittelpunkt meiner Arbeit und ist von enormer Bedeutung.»

Ostermarsch

13:15 Uhr
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