Wege aus der Gewalt

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Medienmitteilung 22. Nov. 2024
Wege aus der Gewalt
Die meisten Frauen und nicht-binären Menschen erfahren mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt. Auch in der Schweiz ist geschlechtsspezifische Gewalt trauriger Alltag. Die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» vom 25. November bis zum 10. Dezember fokussieren deshalb dieses Jahr auf «Wege aus der Gewalt» und fordern, dass die Bekämpfung der Gewalt zur politischen Priorität wird.
«Wir dürfen nicht länger akzeptieren, dass alle zwei Wochen eine Frau von ihrem Partner getötet wird. Diese Gewalt ist Ausdruck eines Systems, das geschlechtsspezifische Gewalt weiterhin banalisiert», sagt Stephanie Beutler, Vizepräsidentin von Vergewaltigt.ch, und erinnert daran, dass wir alle Verantwortung übernehmen müssen, um Gewalt zu stoppen. Das Thema wird jedoch auch politisch zu wenig ernst genommen, was sich nicht zuletzt in der massiven Unterfinanzierung von Opferberatungsstellen und Frauenhäusern zeigt. Die grösste Gewaltpräventionskampagne der Schweiz «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» rückt deshalb dieses Jahr den Fokus auf «Wege aus der Gewalt». Mit diesem Fokus soll beleuchtet werden, was es braucht, um Gewalt zu verhindern und Gewaltbetroffene darin zu unterstützen, ein gewaltfreies Leben zu führen.
Alarmierende Zahlen
Geschlechtsspezifische Gewalt zeigt sich in verschiedenen Formen: psychische Gewalt, Stalking und Feminizide. Alle zwei Wochen tötet ein Partner oder Bekannter eine Frau durchschnittlich in der Schweiz. 49’055 Beratungen führten Opferhilfestellen letztes Jahr durch und es braucht immer mehr. In den Statistiken erscheint jedoch nur ein kleiner Teil der Gewaltfälle. Viele Opfer wenden sich aus Angst vor Stigmatisierung oder fehlender Zugänglichkeit nicht an eine Beratungsstelle. «In unserer Arbeit sehen wir jeden Tag, wie sehr es an Ressourcen fehlt, um Betroffene von Gewalt adäquat zu begleiten», betont Johanne Carron, Direktorin der Stiftung FAVA Wallis.
Für Dr. Alessandro Bianchi, Koordinator der Gruppe für häusliche Gewalt am Tessiner Kantonsspital, muss die Verhinderung von geschlechtsspezifischer Gewalt auch in der Medizin priorisiert werden: «Als Arzt sehe ich jeden Tag die verheerenden Auswirkungen von geschlechtsspezifischer Gewalt auf die körperliche und geistige Gesundheit der Betroffenen. Es ist entscheidend, Gesundheitsfachkräfte besser auszubilden, damit sie Betroffene erkennen, verstehen und unterstützen können.»
Kollektive und politische Verantwortung gegen geschlechtsspezifische Gewalt
Gewalterfahrungen sind individuell, aber Prävention und Bekämpfung müssen kollektiv sein. Entscheidend ist, wie die Gesellschaft auf Gewalt reagiert – das beeinflusst, ob Gewalt verhindert und Betroffene unterstützt werden. Für den Weg aus der Gewalt braucht es gesellschaftliche Unterstützung und eine klare, unbedingte Verurteilung der Gewalt.
Im Rahmen der 16 Aktionstage fordern die beteiligten Organisationen konkrete Massnahmen zur Unterstützung von Betroffenen von Gewalt und für eine wirksame Prävention. Im Zentrum der Forderungen stehen eine Erhöhung der Anzahl der Plätze in Frauenhäusern, die Ausbildung von Fachkräften und die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention in der Schweiz. «Der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt darf nicht nur eine gelegentliche Priorität, sondern muss eine ständige Verpflichtung sein», betont Tamara Funiciello, SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin der SP-Frauen. Sie fordert den Bund und die Kantone auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Mit über 250 Veranstaltungen und einer grossen nationalen Demonstration sagen wir NEIN zu geschlechtsspezifischer Gewalt
Frieda – die feministische Friedensorganisation koordiniert das Programm der über 250 Partnerorganisationen in der ganzen Schweiz. Während der Aktionstage finden Podiumsdiskussionen, Lesungen, Filmvorführungen, Strassenaktionen und digitale Kampagnen statt. Diese Veranstaltungen informieren und sensibilisieren die Öffentlichkeit und machen Unterstützungsangebote für Betroffene von Gewalt bekannt. Zum Start der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» ruft eine breite Koalition von Organisationen und Kollektiven zu einer Demonstration in Bern am Samstag, 23. November, auf. Gemeinsam bringen sie die Solidarität mit Betroffenen von Gewalt zum Ausdruck und fordern konkrete Massnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt. «Wir wollen ein starkes Zeichen gegen die Verharmlosung von geschlechtsspezifischer Gewalt setzen. Wir haben eine gemeinsame, laute Stimme, die nicht ignoriert werden kann», betont Anna-Béatrice Schmaltz Koordinatorin der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen».
Weitere Informationen: https://www.16tage.ch/
Nationale Demo gegen Gewalt und Diskriminierung: https://www.16tage.ch/demo2024
Fotos der Demo stehen am Samstag, 23. November ab 18 Uhr unter https://www.16tage.ch/medien-downloads zur Verfügung.
Medienkontakt
Anna-Béatrice Schmaltz, Leiterin «16 Tage gegen Gewalt an Frauen», Programmverantwortliche Prävention geschlechtsspezifische Gewalt Frieda – die feministische Friedensorganisation
anna-beatrice.schmaltz@frieda.org, 079 557 78 85
Referate der Medienkonferenz vom 22. November 2024
Stephanie Beutler, Vizepräsidentin Vergewaltigt.ch
Johanne Carron, Directrice Fondation fava, Valais
Tamara Funiciello, Nationalrätin, Co-Präsidentin SP-Frauen
Anna Béatrice Schmaltz, Leiterin der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» Begrüssung
Weitere Informationen:
Die Referate der Medienkonferenz stehen ab 22.11. ab 10.30 Uhr hier zur Verfügung
Bilder der Demo finden Sie hier.
Mehr zur Demo in Bern am 23. November 2024
Zum Veranstaltungsprogramm der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen"
Mehr zum Fokusthema und Faktenblatt «Wege aus der Gewalt"
Frieda-Zeitung 3-2024 zum Thema Wege aus der Gewalt
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