Frieden schliessen mit der Vergangenheit
Traumatische Erlebnisse in Sabinas Kindheit haben Spuren in ihrer Seele hinterlassen. «Meine Schule wurde im Bürgerkrieg bombardiert. Ich kam an jenem Tag zu spät zur Schule und habe nur deshalb als Einzige aus meiner Klasse überlebt. Früher hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil nur ich dieses Glück hatte», blickt sie zurück. Während des Krieges werden Sabina und ihre Familie diskriminiert: «Mein Vater war orthodoxer Christ. Meine Mutter ist Muslimin. Wegen dieser konfessionell gemischten Ehe wollte uns im Krieg niemand helfen und ich wurde in der Schule zur Aussenseiterin gemacht.»
Ein kurzes Glück
Sabina ist eine Kämpferin. Trotz oder gerade weil sie in jungen Jahren so viel durchmachen musste. Ihre gesamte Schulzeit hindurch ist sie Klassenbeste. Sie möchte, dass ihre Mutter stolz auf sie ist. Schon in der 7. Klasse beginnt sie mit Freiwilligenarbeit. Nach der Schule studiert Sabina Politikwissenschaft und Soziale Arbeit. Mit 24 Jahren heiratet sie, zwei Jahre später kommt Elma zur Welt. Doch das Familienglück währt nicht lang: Ihr Mann arbeitete damals im Irak als Sicherheitsmann und war nie zuhause. Aus dem Irak kehrt er mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück, hat Schlafprobleme und ist ständig auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinrausch. Statt sich professionell behandeln zu lassen und sich um seine Frau und Tochter zu kümmern, amüsiert er sich lieber und gibt das verdiente Geld für sich selbst aus. Nach drei Jahren lässt sich Sabina scheiden und zieht mit der kleinen Elma zu ihrer Mutter und der bettlägerigen Grossmutter. Der kleine Lohn ihrer Mutter reicht nicht aus, um die vierköpfige Familie zu ernähren. Darum muss Sabina ihr Masterstudium in Kommunikation abbrechen, um zu arbeiten und um sich um Elma zu kümmern.
Wie dem eigenen Kind helfen?
Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie stirbt Sabinas Ex-Mann bei einem Autounfall. Obwohl er sich kaum um seine Tochter Elma gekümmert hatte, trauert das Kind. Zudem hat sie mehrere Enttäuschungen in Bezug auf ihren Vater zu verarbeiten. Sabina erzählt: «Elma fragte mich viel nach ihrem Vater. Ich wollte sie nicht anlügen. So musste ich ihr leider sagen, dass er kein Held war. Dass er Frauengeschichten hatte, uns nicht sehen wollte. Was Elma sehr getroffen hat, war das – in meinen Augen nie ernst gemeinte – Versprechen ihres Vaters, er wolle sich nach ihrem achten Geburtstag mehr um sie kümmern. Er konnte es nicht einlösen, er starb drei Tage vorher...» Elmas Gefühlswelt gerät vollständig durcheinander: Sie schläft schlecht, nässt nachts ein und weicht ihrer Mutter nicht mehr von der Seite – aus Angst, auch sie zu verlieren.
Wichtige Aufarbeitung für Mutter und Tochter
Sabina weiss nicht mehr weiter. Von einer Freundin erfährt sie von der Online-Beratung des Projekts Povjerenje – Zuversicht der Frieda-Partnerorganisation Wings of Hope. Beiden, Mutter und Tochter, wird trotz der Corona-Pandemie schnell geholfen. Elma nimmt an einem Online-Workshop für belastete Kinder teil. Sabina erhält psychologische Unterstützung, Psychotherapie und juristische Beratung – denn ihr Ex-Mann hat seiner Tochter Elma einen Berg Schulden hinterlassen. Zudem lernt sie in einem Kommunikationstraining, wie sie mit ihrer Tochter über den traumatischen Verlust des Vaters reden und ihr helfen kann. Einige Male nimmt sie dankbar die psychologische Hilfe der 24-Stunden-Hotline des Projekts in Anspruch. Elma und Sabina geht es dank der umfassenden Unterstützung, die sie im Projekt Povjerenje – Zuversicht erfahren haben, wieder erheblich besser. «Meine Kindheit schien mir lange Zeit verloren. Nachdem ich meine eigenen Traumata aufgearbeitet hatte, konnte ich mit meiner Vergangenheit Frieden schliessen. Mein grösster Wunsch ist, dass es Elma besser ergeht als mir. Sie soll ihre Kindheit in guter Erinnerung behalten. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg dahin.»
*Namen auf Wunsch der Betroffenen geändert
Erfahre mehr über unsere Arbeit
Frieda arbeitet an der Förderung feministischer Friedenspolitik, um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu stärken. Entdecke, wie unsere Projekte zur Schaffung eines gerechten Friedens beitragen.
Mehr dazu
Unterstütze uns jetzt mit einer Spende!
Immer auf dem Laufenden bleiben?
Willst du wissen, was bei Frieda passiert und wie es mit unseren Projekten weitergeht? Sichere dir aktuelle Infos direkt in deinem Posteingang und abonniere unseren Newsletter!