Nothilfe Gazastreifen

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist nach über einem Jahr Krieg unvorstellbar prekär. Frieda unterstützt Familien mit finanzieller Direkthilfe, damit sie sich das Nötigste kaufen können. Frauen können psychosoziale Unterstützung in Anspruch nehmen und werden bei geschlechtsspezifischer Gewalt rechtlich beraten. Jeden Tag finden in Flüchtlingsunterkünften sportliche und spielerische Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zur psychosozialen Unterstützung statt. Zudem erhalten Primarschüler*innen Arabisch-, Englisch- und Mathematikunterricht.

Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 wurden auf palästinensischer Seite rund 45'000 Palästinenser*innen getötet und 106'000 verletzt (Zahlen OCHA, 10. Dez. 2024). Der Mangel an lebenswichtigen Gütern wie Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamenten und Strom ist dramatisch. Die Zivilbevölkerung leidet massiv unter der grossen Nahrungsmittelknappheit. Wegen der dauernden Kampfhandlungen und oft geschlossener Grenzübergänge erreichen nur ein Teil der Hilfstransporte die Menschen in Not.

Die meisten Bewohner*innen des Gazastreifens mussten fliehen, viele von ihnen mehrmals. Der Verlust von Familienangehörigen und Freund*innen wiegt schwer. Angst und Vertreibung führen zu teils schwerwiegenden Traumata, viele sind durch Krankheiten und unzureichende Ernährung geschwächt. Es gibt keinen sicheren Ort mehr. Angst bestimmt den Alltag, die Menschen kämpfen täglich um ihr Überleben. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, Familien leben ohne Privatsphäre und sind den prekären Hygienebedingungen und grassierenden Krankheiten ausgeliefert. 645'000 Kinder haben inzwischen ein ganzes Schuljahr verloren. Im Kriegsalltag tragen die Frauen eine enorme Last. Nebst der Sorgearbeit für Kinder und verletzte Angehörige sind sie oft auch für die Sicherung des Überlebens verantwortlich.

Frau mit Neugeborenem am Eingang zu einem Zelt in einem Flüchtlingslager im Gazastreifen, November 2023. Foto: Samar Abu Elouf
Eine Frau mit Neugeborenem in einem Zelteingang in einem Flüchtlingslager. Foto: Samar Abu Elouf

Auch die humanitäre Hilfe gestaltet sich schwierig: Es gibt keine Elektrizität, keinen Treibstoff, und die Kommunikationsnetze fallen regelmässig aus. Hilfstransporte werden von den israelischen Behörden verhindert und selbst humanitäre Helfer*innen sind nicht sicher.

Gemeinsam mit unseren zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen, The Center for Women’s Legal Research, Counselling and Protection (CWLRCP), Palestine Sports for Life (PS4L) und Rural Women’s Development Society (RWDS), leistet Frieda Nothilfe für die am stärksten Betroffenen.

Frieda unterstützt über 1’900 Familien mit Bargeldzahlungen zur Beschaffung lebenswichtiger Güter wie Nahrungsmittel oder Medikamente. Die Familien können den ihnen zustehenden Betrag an sogenannten «Cashing Points» gegen Vorzeigen ihrer Identitätskarten abheben. So wird sichergestellt, dass das Bargeld am richtigen Ort ankommt.

Traumatisierte Frauen und Kinder brauchen dringend psychosoziale Unterstützung. Die Frieda-Partnerorganisationen bringen auf diesem Gebiet viel Expertise mit. Sie organisieren beispielsweise therapeutische Freizeitaktivitäten für vertriebene Kinder in den Flüchtlingslagern: Rund 13'000 Kinder können so täglich in einem unterstützenden Umfeld für einen Moment dem Kriegsalltag entfliehen. Nebst Sport und Spiel wird auch Maltherapie angewandt. Zudem werden 900 Primarschüler*innen in den Flüchtlingsunterkünften in Arabisch, Mathematik und Englisch unterrichtet.

Frauen und Kinder können in Gruppen- und Einzeltherapien das Geschehene besprechen und versuchen, gemeinsam einen wichtigen Schritt in Richtung Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse zu gehen. Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt erhalten spezifische rechtliche Unterstützung oder können an Familienmediationen teilnehmen, etwa bei Scheidungen oder Sorgerechtsstreitigkeiten.

20240227_deir-al-balah_activity_albarakehcamp_ps4l.jpg
Spiel mit traumatisierten Kindern zur psychosozialen Unterstützung, Flüchtlingslager Al Barakeh, Gazastreifen, Februar 2024. Foto: PS4L

Diese Arbeit mitten im Krieg mit traumatisierten Frauen und Kindern ist herausfordernd. Das Personal unserer Partnerorganisationen kann deshalb spezifische psychosoziale Unterstützung und Supervisionen in Anspruch nehmen.

Mit allen drei Partnerorganisationen arbeitete Frieda bereits vor Ausbruch des Krieges zusammen. Gemeinsam setzten und setzen wir erfolgreich reguläre und Nothilfe-Projekte um. Frieda ist mit einer Lokalkoordinatorin im Gazastreifen vertreten und koordiniert die Hilfe auch im Rahmen wichtiger Gremien wie den OCHA Clusters (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs).

Aktualisiert 17.12.2024

Ostermarsch

13:15 Uhr
Besammlung
ostermarsch_kirchenfeldbrucke-(2).jpg
Gegen nukleare und militärische Aufrüstung. Für echte Sicherheit.
> Detailinfos zum Anlass
×